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Rundgang:

Wetterextreme – Babenhäuser Stadtwald ist geschwächt

Förster Lothar Seipp (rechts) informierte die Teilnehmer über die Zusammenhänge zwischen Wald und Klimawandel.

Der jährliche Waldspaziergang der Stadt und des Forstamtes führte am vergangenen Samstag rund 70 interessierte Bürger durch einen Teil des Babenhäuser Stadtwalds. Treffpunkt war der Schaafheimer Weg am Langstädter Waldrand.

Für die Langstädter ist es der Weg nach Schaafheim, während die Schaafheimer in ihm den „Lengschder Weg“ sehen. Egal, aus welcher Perspektive man es betrachtet: der Weg bildet eine Verbindung zwischen den beiden Orten. Ebenso wie der Wald, der zwischen Langstadt, Babenhausen und Schaafheim liegt.
Die Bewohner aller Kommunen und Ortsteile lieben den Wald und schätzen ihn als Ort der Erholung. Es ist also kein Wunder, dass der Zustand des Waldes den Menschen Sorge bereitet. Lang anhaltende Trockenheit und Wassermangel, ungewöhnliche Hitze und besondere Ereignisse wie der Sturm Fabienne im vergangenen Herbst haben die Wälder enorm belastet.
Viele Bäume sind geschwächt und mit Wasser und Nährstoffen unterversorgt. So können sie sich nicht mehr ausreichend gegen Schädlinge wehren. Einer der großen Profiteure ist der Borkenkäfer, der vor allem Fichten befällt und mit ihnen leichtes Spiel hat. Denn normalerweise haben Fichten einen gut funktionierenden Abwehrmechanismus. Sie produzieren ein Harz, das es den Borkenkäfern fast unmöglich macht, in die Baumrinde einzudringen.
Entlang der Strecke, die die Teilnehmer des Waldrundgangs zurücklegten, zeigten Tanja Wöber und Lothar Seipp vom Dieburger Forstamt einige beeindruckende Beispiele dafür, wie verschiedene Baumarten derzeit unter den Wetterextremen leiden. „Dieser Sommer ist der drittheißeste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881“, erklärte Lothar Seipp. Alle drei Rekordsommer wurden seit 2003 registriert.
Der Klimawandel ist also auch hierzulande spürbar und sichtbar. Wer den Blick aufmerksam nach oben richtete, konnte erkennen, dass bei vielen Buchen die Kronen abgestorben sind. Die Hitzeperioden mit Temperaturen um 40 Grad ließen viele Buchen absterben. Auch die Folgen des Sturms Fabienne sind noch an mehreren Stellen im Wald zu sehen. Ob es denn Sinn mache, das Holz der umgestürzten oder abgestorbenen Bäume zu entfernen, wollte ein Teilnehmer wissen.
„Wenn es rund um die erkrankten Bäume noch gesundes Holz gibt, ist es sinnvoll, die abgestorbenen oder kranken Bäume aus dem Bestand zu holen“, erläuterte Seipp. Dadurch könne man verhindern, dass sich der Borkenkäfer weiter ausbreitet und auch die gesunden Bestände befällt. Die Waldbesitzer stünden allerdings derzeit vor großen Problemen. Denn der Abtransport des Holzes sei aufwendig und teuer und die Sägewerke nehmen oftmals kein Holz mehr an, da sie ihre Kapazitäten längst erreicht haben. Zudem seien die Preise im Keller.
Doch wie sieht die Zukunft der Wälder aus? Mit Sicherheit kann das wohl niemand voraussagen. Doch die Fachleute der Forstämter versuchen schon seit vielen Jahren, die Wälder auf das sich wandelnde Klima vorzubereiten. Mitunter sei die beste Methode, abzuwarten, ob sich Teile der Wälder selbst verjüngen und welche Baumarten sich dabei als besonders robust und anpassungsfähig herausstellen.
Welche Bäume setzt man neu an? Wie werden sich die verschiedenen Baumarten in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? Und vor allem: bleibt das Klima so wie in den vergangenen Jahren inklusive extremer Wetterereignisse? Vor diesen Fragen stehen nicht nur die Experten der Forstämter. Manche Baumart, die bislang nicht zu den heimischen Mischwäldern zählte, wird in den nächsten Jahren wohl ebenfalls gepflanzt werden.      mel

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