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Langstadt:

Gitarrenkonzert mit Herz und auf Weltniveau

Versunken in ihr eigenes Gitarrenspiel zog die Langstädter Gitarristin Julia Lange ihre Zuhörer in ihren Bann.

Die erst 20-jährige Julia Lange ist in ihrem Heimatdorf Langstadt längst als Gitarrenstar bekannt. Seit sie vor einigen Jahren mehrmals bei „Jugend musiziert“ gewonnen hatte, zogen sich ihre Bekannheitskreise immer weiter. Nach vielen beachteten Auftritten im Rhein-Main-Gebiet, in gesamt Deutschland und auch auf internationaler Ebene war es ihr ein Anliegen, doch auch in ihrem geliebten Langstadt aufzutreten.

Mit Freunden und Familie organisierte sie im Dezember ihr erstes Konzert in Eigenregie. Dass dabei plötzlich die Musikauswahl aus dem Fokus rückte und stattdessen Aufgaben wie Werbung, Dekoration der Location, Pausenverköstigung und Kartendruck wichtig wurden, hatte sie im Vorfeld nicht bedacht. Mit dem großen Andrang hatte die junge Musikerin auch nicht gerechnet und musste kurzfristig ihr Konzert vom Gemeindehaus in die Kirche verlegen. Da das stürmische Wetter den Zeltaufbau für die Pausenverpflegung unmöglich machte, kam das Gemeindehaus doch noch in Einsatz. Die Moderation hatte die sympathische junge Dame selbst übernommen und führte mit sehr persönlicher Note jugendlich unbekümmert durch ihr anspruchsvolles Programm.
Den Anfang ließ sie ihren kleinen Kollegen Ruiteng Wang machen, der trotz seiner zarten 10 Jahre zwei schwierige Stücke sehr souverän spielte. Er erhält seit vier Jahren seinen Unterricht ebenfalls bei Fritz Ludwig aus Schaafheim, der auch schon Julia während ihrer ersten Jahre unterrichtete. Noch heute versucht der Lehrer bei möglichst vielen Konzerten seiner ehemaligen Schülerin dabei zu sein und unterstützt sie auch an diesem Abend stolz. Auch Stefan Wagner vom Konservatorium in Frankfurt lässt sich dieses Konzert seines ehemaligen Schützlings nicht entgehen, auch wenn sie ihm längst entwachsen ist, wie er lachend zugibt.
Im ersten Teil des Konzerts spielt Lange hauptsächlich spanische und lateinamerikanische Stücke und die Auswahl an sinnlichen, aber auch temperamentvollen Stücken zieht die Zuhörer von Anfang an in ihren Bann. Man merkt der jungen Musikstudentin keine Nervosität an und mit sagenhafter Leichtigkeit spielt sie versunken in die Musik selbst die schwierigsten Lieder. Mit geschlossenen Augen sitzt sie allein im Rampenlicht und vergisst die vollbesetzte Kirche um sich herum. Meist arrangiert sie bekannte Lieder um, aber auch Eigenkompositionen kommen zum Vortrag. Lächelnd streichelt und zupft sie über die Saiten und es wirkt wie ein leidenschaftlicher Tanz ihrer Finger auf dem Instrument.
Bekanntes wie „Astorias“, das sie seit Beginn ihrer Karriere begleitet, darf ebenso wenig fehlen wie das Lied „Recuerdos de la Alhambra“, das etwas Weihnachtliches hat ohne ein Weihnachtslied zu sein, wie Lange vorstellt.
Im Laufe des über zweistündigen Konzerts erfahren die Zuhörer viel Biografisches und Lange plaudert aus dem Nähkästchen, als sie verrät, dass ihr persönlicher „Moment 2018“ nicht etwa die Konzerte in Hong Kong und Spanien waren, sondern die bestandene Führerscheinprüfung. Die Dresdner Studentin erhält von ihrem Freund Julius Imhäuser Unterstützung. Seit zweieinhalb Jahren kennen sich die Beiden und während Julia von der klassischen Gitarrenmusik kommt, war Julius früher in der Heavy Metal-Szene unterwegs. Auf ihren Westerngitarren spielen sie gemeinsam leicht verjazztes Liedgut und harmonieren bestens.
Die zweite Konzerthälfte zeigt eigene Stücke („Climb into the Moon“) und jazzig Arrangiertes mit Percussioneinlagen auf dem Korpus ihrer Gitarre („All of me“ von John Legend). Auch mit „Blues in e“ demonstriert sie ihr Kompositionstalent. Gemeinsam mit Julius Imhäuser komponierte sie „Zug nach Venedig“ und man spürt durch den musikalischen Spannungsaufbau förmlich die Vorfreude auf die Lagunenstadt.
Bei YouTube ist die Studentin mittlerweile über 1,5 Millionen Mal angeklickt worden mit dem Video zu „Yesterday“, das sie mit Szenen aus ihrer Kindheit unterlegt hat. Dass sie das Zeug zum Rockstar hat, beweist sie mit dem Song „Seven Nations Army“ von White Stripes, bei der sie ihre langen Haare gekonnt aus dem Gesicht schüttelt.
Bei ihrem letzten Programmpunkt kommt zu „Stille Nacht“ eine Stimme aus dem Off: die Sopranistin Nicole Schmiedecke setzt unerwarteterweise stimmlich ein und macht so den festlichen Abschluss mit Julia Lange. Ohne Zugabe wird das Ausnahmetalent Lange jedoch nicht entlassen und bietet auch da etwas Besonderes: vierhändig bespielt sie mit Julius Imhäuser ihre Gitarre und liefert „Jerry’s Break-Down“ aus der Country-Szene ab.
Wohin Julias Weg von ihrem Heimatdorf aus führt, unterstreicht der Abschluss des umjubelten Konzerts: „Europa“ von Carlos Santana. Die „Hessenschau“ war übrigens mit einem Drehteam vor Ort und begleitete die letzten Vorbereitungen und das gesamte Konzert. Am darauffolgenden Dienstag war der Beitrag zu sehen, während Lange schon wieder bei den Gitarrentagen ihren nächsten Auftritt hatte.
„Ich plane schon eine Wiederholung meines Heimatkonzerts“, verrät die sympatische Musikerin, die die rund 200 begeisterten Zuhörer sicher auch im nächsten Jahr wieder anlocken kann.     kb

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