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Kunst und Kultur:

Mord und Musik im Museum

Nach dem blutigen Mord an einem Touristen im Territorialmuseum stellt sich die Frage nach dem Mörder. Mrs. Columbo beweist Mut zur Lücke und so dürfen auch die Zuschauer miträtseln bis der Fall gelöst wird.

Wer am Sonntag durch die Amtsgasse wollte, musste mit erheblichen Verzögerungen rechnen: die Menschenmenge, die Richtung Territorialmuseum drängte, war enorm! Es wurde dort aber auch ein besonderes Kultur-Programm geboten: das Blasorchester hatte zum ersten Mal sein beliebtes Serenadenkonzert in den Hof zwischen Museum und idyllischen Biergarten des wiedereröffneten Gasthauses „Zum Adler“ gelegt.

Als wäre das allein nicht schon ein Publikumsmagnet, wurde auch noch die Uraufführung eines „historischen Stücks mit heutigen Begebenheiten um Totschlag, Ahnenforschung und viel Gebabbel uff de Gass“ angekündigt. Frei nach dem Krimi von Hans-Heinrich Fengel, der beim Neujahrsempfang des HGV so viel Anklang fand, erwartete die Zuschauer witzige Dialoge mit lokalen Bezügen und spannender Aktion auf der improvisierten Bühne. In den Pausen konnte man zudem die vielfältigen Exponate im Inneren des Museums bewundern. Bei strahlendem Wetter war so beste Sonntagsunterhaltung vorprogrammiert und das alles bei freiem Eintritt. Durst und Hunger stillte das Team vom Gasthaus Adler.
Klaus Mohrhardt begrüßt die Gäste und freut sich, mit dieser erstmaligen Zusammenarbeit von Blasorchester, Heimat- und Geschichtsverein, der Sickenhöfer Laienspielgruppe SiLT und dem Nachtwächter Burkhard Schimpf ein solch hochkarätiges Programm bieten zu können und dadurch das historische Herz der Stadt zum Leben zu erwecken.
In der Kulisse des in den letzten Jahren durch die Stiftung Aumann vorbildlich renovierten Ensembles aus den Jahren 1555-1578 präsentiert sich das Blasorchester Babenhausen unter der Leitung von Dominik Thoma. Es hat sich strategisch in einer Ecke platziert, die den Biergarten mit dem Museumshof verbindet. So können die Gäste von jedem Winkel aus den Musikstücken auch ohne Lautsprecheranlage folgen und genießen in drei musikalischen Blöcken das breit gefächerte Repertoire des symphonischen Blasorchesters. Musical und Filmmusik sind ebenso vertreten wie traditionelle Stücke aus klassischem und volkstümlichem Umfeld. Pop und Rock geben sich mit Amy Winehouse und den Blues Brothers ein Stelldichein und so ist für jeden Geschmack etwas dabei.
In der ersten Musikpause kündigt Georg Wittenberger das mit Spannung erwartete Theaterstück an. Die Laientheatergruppe aus Sickenhofen hatte sich mit Ute Wittenberger relativ spontan den Krimi von Hans-Heinrich Fengel für die Darstellung auf einer Bühne zurechtgeschrieben und in den letzten Wochen bei intensiven Proben einstudiert. Nach dem ersten Musikblock spielten sie sich auf der zur Bühne umfunktionierten Ladefläche eines landwirtschaftlichen Anhängers in die Herzen der Zuschauer, die bis raus auf die Amtsgasse standen und manchmal auch aktiv ins Bühnengeschehen miteinbezogen wurden. Aus den Fenstern von Museum und Gasthof unterhalten sich zwei Weiber quer über die Gass und rufen die Zuschauer zur Hilfe bei der Suche nach dem Hölzerlips auf. In insgesamt sieben Szenen geht es turbulent zu und der gesamte Platz wird zur Bühne. Viele alte Familiennamen fallen und sorgen für Gelächter, Fake News werden verbreitet, politische Anspielungen dürfen natürlich auch nicht fehlen (wie die alte Bawwehaiser Weisheit „Bürgermeister sind immer an Allem schuld“) und ein leicht mystischer Ausgang des Mordfalls im Territorialmuseums lässt Raum für Spekulationen (Hölzerlips als Zombie?)
Nach der mit tosendem Applaus belohnten Aufführung bedankt sich der Vorsitzende des HGV, Georg Wittenberger, bei den Darstellern und Akteuren hinter den Kulissen für die gelungene Weise, mit der sie die Geschichte um den Raubmörder Hölzerlips wieder lebendig werden ließen. Wer sich jetzt noch traute, konnte die Wachsfigur des Schurken im Dachgeschoss des Museums besuchen und dabei den Klängen des Orchesters durch die weit geöffneten Fenster lauschen.
Im Anschluss kommt der Nachtwächter Burkhard Schimpf in historischem Gewand und erzählt von der bewegten Geschichte in der Amtsgasse rund um die Gaylingshäuser. Außerdem stimmt er das Bawwehaiser Lied an, was viel Wissenswertes über Babenhausen an der Gersprenz verrät. Gespannt lauschen die Gäste dem mundartlichen Vortrag.
Bis 20 Uhr klingen danach noch einmal die harmonischen Töne des Blasorchesters durch die Gassen der Altstadt. Der Biergarten, das Wetter und die Musik luden dazu ein, noch lange zu verweilen.     kb

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