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Festliches Weihnachtskonzert in der Stadtkirche:

Händels Oratorium „Athalia“ packt das Publikum wie ein Krimi

Mit 35 Sängern beherrscht der Konzertchor Darmstadt den Kirchenraum. Dazu kommen sechs Solisten, 24 Musiker und natürlich der Dirigent Wolfgang Seeliger. Faszinierend und kraftvoll setzten sie am vierten Adventswochenende das Händel-Oratorium „Athalia“ in der Stadtkirche in Babenhausen um. Ein Weltklasse-Konzert, das sich Musikliebhaber nicht entgehen lassen wollen.

Die Aufführung des wenig bekannten Oratoriums „Athalia“ von Georg Friedrich Händel in seiner englischen Originalversion packte am vierten Adventswochenende viele Besucher. Das Werk basiert auf blutrünstigen Geschehnissen, die im Alten Testament festgehalten und als Tragödie von Jean Baptiste Racine aufgegriffen wurden: die machtbesessene Königin Athalia tötet all ihre familiären Nachfolger.

Nur ihr Enkel Joas entkommt ihrem heidnischen Tun und wächst bei dem Hohepriester Joad und seiner Frau Josabeth auf. Als Joas zum König in der Nachfolge Davids ernannt wird, muss Athalia sterben und das jüdische Volk feiert schließlich den Sieg. Händel nannte seine Oratorien einst „Kirchen-Opern“, was der Dirigent Seeliger bewusst dramatisch und ungebremst umsetzt. Die Sogkraft der Partitur wird vom Dirigenten auf die Sänger und Musiker übertragen und zieht auch das Publikum in ihren Bann, die sich dem musikalischen Krimi nicht entziehen können, der in der Kirche klangvoll aufgeführt wird. Ob der kraftvollen und meisterlich dargebotenen Musik vergisst der Zuhörer das doch recht blutrünstige Geschehen. Auch im Stück selbst geht es dem Mathan (gesungen vom Tenor Thomas Elwin) ähnlich als er singt: „Holder Sang, melodisch Lied! Löst in Wonne ihre Pein. Lullt ihr sorgenvoll Gemüth sanft in süße Ruhe ein.“
Das hochklassige Konzert bildet für viele kulturbewanderte Babenhäuser das Highlight der Veranstaltungen im Jahreskalender der Stadt. Seit 35 Jahren kommt der Dirigent Wolfgang Seeliger mit seinem Konzertchor Darmstadt und der Darmstädter Hofkapelle in die schöne Kirche in der Gersprenzstadt. Auf historischen Instrumenten werden bedeutungsvolle Oratorien auf höchstem musikalischem Niveau geboten. Jedes Jahr begleiten ihn auch ausgewählte Solisten, die wie er auf großen Bühnen weltweit erfolgreich sind. Das Sextett an Gesang-Solisten setzte durch ausgeprägte Mimik ihre Rollen nicht nur gesanglich, sondern auch sehr theatralisch um. Die Sopranistin Barbara Christina Steude zeigte als Athalia aggressive und dramatische Präsenz, der donnernde Bass Reuben Willcox gab dem Krieger Abner den nötigen Nachdruck. Glänzend auch der Tenor Thomas Elwin als Priester Mathan. Lieblich und kindlich zart kamen die Sopranstimmen von Julia Kirchner als Josabeth und Ana Sipka als Joas daher und harmonierten wunderbar mit dem vielseitigen Altus von Feargal Mostyn-Williams, der den Hohepriester Joad verkörperte. In faszinierenden Zwiegesprächen bauten sie im dritten Akt eine Spannung auf, die auf das Publikum übersprang. Das Orchester unterstrich vor allem in den zahlreichen Rezitativen die Aussagen der solistischen Gesangseinlagen mit vielen Klangfarben, was die Gefühle der unterschiedlichen Charaktere herausarbeitete. Hervorzuheben sind hier die Einsätze von Johannes Berger am Violoncello, Henrike Seitz am Orgelpositiv und Liza Solovey mit ihrer Theorbe. Der Chor vertrat kraftvoll die jeweiligen Stimmungen der Szenen und nahm somit eine zentrale Rolle ein.
Seeliger kommt seit über 30 Jahren nach Babenhausen und beginnt hier jeweils seine kleine festliche Konzertreihe, die auch in Amorbach und Darmstadt zur Aufführung kommt. Er schätzt die Atmosphäre und den hervorragenden Klang in der ehrwürdigen Stadtkirche, die den perfekten Rahmen für sein Weltklasse-Programm bietet. Und in der kleinen Stadt an der Gersprenz sind seine Konzerte sehr beliebt, da dieses Niveau sonst nur mit weiten Wegen verbunden in den nächstgelegenen Großstädten wie Frankfurt oder Darmstadt zu genießen ist.     kb

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