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Denkwürdiges Treffen wegen der Hallenschließungen in Hergershausen und Sickenhofen:

Krisensitzung am Rosenmontag

Einträchtig saßen Vereinsvertreter aus Hergershausen und Sickenhofen zusammen, um die Lage der geschlossenen Hallen gemeinsam zu erörtern und Lösungen für die weitere Vereinsarbeit zu finden.

Ein an sich schon denkwürdiges Treffen zwischen Hergershäuser und Sickenhöfer Bürgerinnen und Bürgern, die sich seit ewigen Zeiten in einem nachbarschaftlichen, heute nicht mehr ganz ernst gemeinten Zwist gegenüberstehen, fand am Montagabend im Vereinsheim des SV Kickers Hergershausen statt. Vereinsvertreter der Gesangvereine Liederkranz (Hergershausen) und Bruderkette (Sickenhofen), der Turnvereine beider Stadtteile, vom Sickenhöfer Karnevalverein und der Feuerwehr, vom SV Kickers und DRK Ortsverband in Hergershausen sowie des Ortsverschönerungsverein und der Theatergruppe SiLT aus Sickenhofen kamen zusammen, um gemeinsam die Kuh der geschlossenen Hallen vom Eis zu holen.

Die Wogen gingen hoch, Gesprächsfetzen flogen hin und her. Emotional, aber sachlich war die  gemeinsame Diskussion der über 30 Anwesenden bei diesem Treffen. Mit der vom Magistrat am 22.02. verfügten Schließung der Friedel-Wiesinger-Halle in Sickenhofen und des Hergershäuser Bürgerhauses sind die Aktivitäten vieler Vereine blockiert. Auf Initiative von Eline Kuipers vom Hergershäuser Turnverein und dem Vorsitzenden des Gesangvereins Liederkranz 1891, Manfred van Bürk wurde Hanna Cordier vom TV 1909 in Sickenhofen mit ins Boot genommen und so konnte rasch ein gemeinsamer Termin gefunden werden. Fast alle Vereine und Gruppen der beiden Stadtteile sind betroffen von den überaus kurzfristig durchgeführten Hallensperrungen.

Leidtragende sind fast alle Vereine

Reihum berichteten die Betroffenen von den Folgen der Schließung und den damit verbundenen notwendigen Maßnahmen. So erzählte Manfred van Bürk, dass durch den Ausfall der Singstunden  dem Verein Kosten entstehen, da der Dirigent auch dann bezahlt werden muss, wenn die Absage nicht vier Wochen vorher erfolgt. Auch der Chor „Junge Töne“ hat nun Probleme, die Chorproben zu absolvieren. Als erste Reaktion hat der GV einen offenen Brief an den Magistrat gesendet und auf die Folgeumstände aufmerksam gemacht und auch Regressansprüche geltend gemacht.
Beate Höreth vom Sickenhöfer Karnevalverein (SKV) meinte, dass die aktuelle Fastnachtszeit ja vorbei ist, aber „nach der Kampagne ist vor der Kampagne“, so ihr Fazit. Außerdem, so fügt sie hinzu, hat der Verein die Planungen für den „Tanz in Mai“ bereits begonnen, der in der Friedel-Wiesinger-Halle stattfinden sollte, aber nun abgesagt werden muss. Damit bricht eine potenzielle  Einnahmequelle weg, mit der beim SKV geplant wurde.
Besonders betroffen sind in beiden Stadtteilen die Turnvereine mit ihren vielen Kinder- und Jugendgruppen. Nicht nur für die Kleinen sind Ersatzmaßnahmen notwendig, auch deren Eltern nutzen oft die Zeit der Abwesenheit der Kinder für eigene Erledigungen. In Sickenhofen weicht man teilweise in die ehemaligen Klassensäle der alten Schule aus und nutzt das Angebot des SV 58 im Sportlerheim in entsprechenden Räume zu üben. Julia Hennig vom TV 1909 ergänzte, dass ja auch Sportgeräte in den Hallen lagern, die nur in Begleitung städtischer Mitarbeiter geholt werden können und schließlich sind für den Transport eines Barren oder Schwebebalkens auch kräftige Helfer gefragt.

Katastrophaler Informationsfluss

Unisono äußersten die Teilnehmer, dass der Informationsfluss katastrophal war und kein Vereinsvorstand bis dato eine offizielle Mitteilung zur Sachlage der Sperrung seitens des Magistrats erhalten hat. Lediglich kurze Notizen erhielten der Angelsportverein Sickenhofen, warum auch immer, denn deren Revier ist größtenteils der Hardtsee und der SV Kickers Hergershausen wegen des Ausfalls des Kindermaskenballs vom vergangenen Sonntag.
Überrascht ist man bei der Diskussion über die Motive aus der Stadtverordnetenversammlung zur Schließung. Da wird von „Gefahr für Leib und Leben“ gesprochen, obwohl bereits vor acht Jahren die Brandschutzmängel aufgezeigt wurden. Jährlich wurden Mittel zur Sanierung der Hallen geplant, so wird aus dem Rathaus berichtet. Gerade in der Zeit, als die kommunalen Dienstleistungen noch als Eigenbetrieb der Stadt geführt wurden, ist dies nachweisbar, aber immer wieder wurden die dringenden Arbeiten nicht durchgeführt. Nun ist der Eigenbetrieb in den Kernhaushalt überführt worden und jetzt fehlen dort die Mittel im Investitionsplan. Manchen Vereinsverantwortlichen ist noch in Erinnerung, dass es in den zurückliegenden Jahren immer wieder aus dem Rathaus hieß: ab Tag X wird die Halle wegen Sanierung geschlossen – ab dann sind keine Veranstaltungen möglich. Was aber passierte immer wieder – nichts. Aus dem Kreise der Anwesenden wurde mutmaßt, dass bestimmt der eine oder andere Stadtverordnete, der für die Schließung stimmte, in den letzten 8 Jahren in einer der betroffenen Hallen war und hat sich dabei keinen Deut um die Sicherheit geschert hat.

Auch Rotes Kreuz, Schulsport und Privatleute betroffen

Der DRK-Ortsverein Hergershausen steht nun vor der Frage, wie die nächsten Blutspenden abgewickelt werden sollen. Die geplanten Termine werden jährlich gemeldet und bereits jetzt ist der  Maitermin online beim Blutspendedienst nachzulesen. Die Bachgauschule in Nachbarschaft zum Hergershäuser Bürgerhaus steht auch vor dem Problem, dass der Sportunterricht nun dort nicht mehr stattfinden kann. Lösungen dafür müssen auch mit der Landkreisverwaltung erörtert werden. Da die Hallen auch für private Feiern und Veranstaltungen vermietet werden, müssen bereits festgelegte Termine storniert werden, was auch dazu führt, dass städtische Einnahmen wegfallen.
Nach rund einstündiger Diskussion kamen die Anwesenden zu dem Ergebnis, dass jeder Verein seine eigenen Daten hinsichtlich der Übungszeiten, der Personenzahl und weiteren Details der Stadt vorlegt. Ein Ausweichen auf Hallen anderer Stadtteile werde zwar gerne geprüft, bringt jedoch zusätzliche Probleme und Sicherheitsaspekte, denn gerade bei den großen Jugendgruppen ist der Transport ohne Bus kaum zu bewältigen und die verfügbare Zeit verkürzt sich um Fahrzeiten, die im Berufsverkehr beispielsweise zwischen Hergershausen und Harreshausen mal 20 Minuten ausmachen.
Die Vereine sind für Unterstützungen aus allen Bereichen dankbar und auf Initiative von Andrea Reymendt von den „Jungen Tönen“ kann man im Internet eine entsprechende Petition unterstützen. Näheres dazu findet man unter www.openpetition.de/petition/online/wiedereroeffnung-der-sporthallen-in-....

(wku)

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Kommentare

Verstand?

Sie fordern die Hallen wieder für den Gebrauch freizugeben!
Ich habe ja einiges Verständnis dafür, dass die aktuelle Situation mehr als katastrophal ist, aber ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass Sie als Vereinsvorstände fordern die Hallen zu öffnen und damit Leib und Leben Ihrer Mitglieder insbesondere von vielen kleinen Kindern zu riskieren. Wären Sie bereit die Verantwortung und Haftung zu übernehmen wenn es zu einem Unglück kommt?
Dass man Ihre Mitglieder und Gäste 9 Jahre lang einer Gefahr ausgesetzt hat, stört Sie überhaupt nicht, sondern Sie wollen dass Ihre Mitglieder auch weiterhin dieser Gefahr ausgesetzt werden, damit Sie keine Unanehmlichkeiten haben und nciht auf eine paar Euros für einen Chorleiter sitzen bleiben. Geht es noch?
Auch dass eine 8 km entfernte Halle nicht akzeptabel ist weil 8 km ja eine Zumutung sind und man ja nicht erwarten kann dass sich mal im Wechsel ein Elternteil für eine Fahrgemeinschaft zur Verfügung stellt finde ich in den heutigen Zeiten die von allen Mobilität verlangt eine Zumutung gegenüber all denen die es auf sich nehmen andere Vereinsmitglieder mitzunehmen und dafür auch noch Umwege in Kauf nehmen einfach weil es selbstverständlich ist einem anderen zu helfen und nicht zu verlangen dass einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen.
Vielleicht sollten Sie mal überlegen von Ihrem Anspruchsdenken ein wenig runterzukommen bevor Sie die Sympathien die sie auf Grund der aktuellen Situation haben komplett verlieren. Im übrigen können Sie natürlich Regressansprüche stellen die die Bürger aller Stadtteile von Babenhausen letztendlich zu tragen haben, aber ob Sie damit genügend Geld für eine Halle in Ihrem Stadtteil zusammen bekommen wage ich zu bezweifeln, denn ein Rechtsanspruch dass die Allgemeinheit einem Verein eine Halle zur Verfügung stellen muss die auch noch fußläufig ist, kann ich nirgends finden.
Im übrigen ist dieser Artikel nahezu identisch mit dem Leserbrief den Sie schon geschrieben haben.

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