Bruderkette Sickenhofen: Männerkehlen verstummen nach 110 Jahren

Zum 100-jährigen Jubiläum des Sickenhöfer Gesangvereins Bruderkette boten in der evangelischen Kirche von Sickenhofen die Sänger einige Kostproben ihres Repertoires.     (Foto: Udo Schäfer)

Im Dezember 2021 packten die Sänger der Bruderkette Sickenhofen nach der Singstunde zum letzten Mal ihre Noten- und Texthefte zusammen, denn es war ein Abschied für immer. Der Zahn der Zeit hat wieder einen gestandenen Gesangverein zum Verstummen gebracht. Trotz vieler Bemühungen in den letzten Jahren den Verein am Leben zu erhalten, verließen die Gruppe einige aktive Sänger und auch der Altersdurchschnitt tat sein Übriges. Ein letzter geplanter Auftritt beim Sickenhöfer Seniorennachmittag im Oktober musste bereits wegen fehlender Besetzung einzelner Stimmlagen ausfallen.

Der 1911 gegründete Verein bereicherte über Jahrzehnte das Dorfleben in Sickenhofen. Unter dem Namen „Arbeiter Gesangverein Bruderkette“ taten sich damals einige Idealisten zusammen und legten den Grundstein für den Chor. Bei vielen Veranstaltungen im Ort, bei Festen anderer Vereine, an Gedenktagen, bei Kirchenkonzerten und auch besonders zur 1.000-Jahrfeier von Sickenhofen 1987 leistete die Bruderkette ihren Beitrag. In den 1980er Jahren und danach sangen  die Männer bei vielen Sängerfesten, feierten 2011 in würdigem Rahmen das 100-jährige Bestehen und erhielten dabei die Zelter-Plakette aus den Händen des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Diese Medaille wurde 1956 vom ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss als staatliche Auszeichnung gestiftet, um Ge- sangsvereinigungen zu belohnen, die sich um die Chormusik und das Volkslied verdient gemacht haben. Auch sehr bekannte Gruppen, wie die Mainzer Hofsänger und der Berliner Oratorien-Chor erhielten bereits diese Plakette und so sind die Sickenhöfer Sänger zu Recht stolz auf diese Auszeichnung.
Ebenfalls bemerkenswert ist die Tatsache, dass bereits seit knapp 50 Jahren der Chor von einem Dirigenten geleitet wird. Der aus Hainhausen stammende Kurt Herdt lenkt die Geschicke des Vereins bereits seit 1974 und ist damit der dienstälteste Chorleiter des Sängerkreises Dieburg. Es hatte sich über die langen Jahre zwischen ihm und den Sängern ein fast blindes Verständnis entwickelt, wenn es darum ging, das umfangreiche Liedgut gekonnt wiederzugeben. Die Titel „Fährmann hol über“ und „Zeit ist ein Geschenk“ sind beispielhafte Lieder, die von den Sängern der Bruderkette gerne dargeboten wurden. Die Hoffnung, dass sich die Bruderkette als einer der letzten reinen Männerchöre weiterhin präsentieren kann, hat sich nun zerschlagen. Klaus Kolb, einer der letzten Aktiven erzählte über den schleppenden Niedergang des  Vereins und erklärte auch, dass der Vorstand um den 1. Vorsitzenden Roland Väth überlegt, in welchem Rahmen nach der endgültigem Abwicklung der notwendigen Auflösungsformalitäten das Vereinsvermögen sinnvoll verwendet werden kann.     wku

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