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NABU Langstadt:

Abendwanderung – knackendes Geräusch verrät die Fledermaus

Der Patient Zwergfledermaus behutsam gehalten von Dirk Diehl.

Sie ist kaum größer als eine Streichholzschachtel und leichter als eine 50-Cent-Münze. Dennoch ist die kleine Fledermaus, die Dirk Diehl behutsam in der Hand hält, schon ein fast ausgewachsenes Tier. Zaghaft schiebt die Zwergfledermaus ihren Kopf aus der Lücke zwischen Diehls Daumen und Zeigefinger, stützt sich dabei auf seiner Handfläche ab. Ein Dutzend Köpfe reckt sich ihr entgegen, jeder will ein Blick auf das filigrane Wesen erhaschen.

Dass man eine Fledermaus aus nächster Nähe zu sehen bekommt, ist sehr selten, und was für die Teilnehmer an der Abendwanderung des Nabu-Ortsvereins in Langstadt ein Glücksfall ist, hat für die kleine Fledermaus einen ernsthaften Hintergrund. „Die Fledermaus wurde von einer Spaziergängerin in Darmstadt gefunden. Sie hatte sich in einer Pflanze verheddert und sich beim Versuch, freizukommen, einen Flügel verletzt“, erklärt Biologe und Nabu-Vorsitzender Dirk Diehl.
Bei ihm und seiner Frau Susanne erholt sich die Fledermaus nun, um später wieder in die Freiheit entlassen zu werden. Die Zwergfledermaus ist eine von 19 Arten, die es in Hessen nachweislich gibt. Von den Mythen und meist gruseligen Geschichten, die sich um Fledermäuse ranken, sei keine zutreffend, sagt Diehl. „Oft hat man Kindern Geschichten von angriffslustigen Fledermäusen erzählt, damit die Kleinen nach Hause kommen, bevor es dunkel wird.“ Denn Fledermäuse sind nachtaktive Tiere und kommen erst mit der Dämmerung aus ihren Quartieren.
Um Tiere, die den Tag als Ruhephase nutzen und dafür in der Nacht aktiv werden, ging es bei der Wanderung am Samstagabend. Die betreffenden Tiere haben ihren Rhythmus den Bedingungen angepasst, in denen sie leben, erfahren die Teilnehmer. Besonders jene Tiere, die auf eine feuchte Umgebung angewiesen sind, bleiben an heißen, trockenen Sommertagen in ihren Verstecken und nutzen die kühlen Nachtstunden zur Nahrungssuche und zur Fortbewegung.
Doch wo Insekten, aber auch Schnecken und kleine Amphibien unterwegs sind, lassen die Jäger nicht lange auf sich warten. Fledermäuse haben sich auf den nächtlichen Insektenfang spezialisiert und gehen dann auf die Jagd, wenn sich reichlich Beute machen lässt. Die Gruppe um Dirk und Susanne Diehl ging nun ebenfalls auf die Jagd – nicht mit Waffen, sondern mit einem Detektor. Dieser wandelt die Ultraschallfrequenz, auf der die Fledermäuse ihr Echo aussenden, in hörbare Töne um.
Auf dem Weg durch den Markwald verriet der Detektor mehrmals durch schnelle knackende Geräusche, dass eine Fledermaus in der Nähe ist. Manches Mal hatten die Teilnehmer Glück und bekamen die Tiere in ihren schnellen Zick-Zack-Flügen zu sehen. In den Phasen, in denen keine Fledermäuse hör- und sichtbar waren, erklärte Diehl, dass viele Fledermäuse durch die Wärmedämmung von Häusern ihre Quartiere verlören. Manche Fledermäuse würden unter den Dämmschichten regelrecht lebendig begraben.
Das geheime Leben der nachtaktiven Tiere sei spannend, findet Karl-Heinz Bader, der die Veranstaltungen des Langstädter Nabu häufig besucht. „In unserer Nachbarschaft gibt es viele interessante Bewohner. Da lohnt sich der aufmerksame Blick. Außerdem genieße ich die abendliche Sommerstimmung.“      mel

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