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„Nicht nur den rein messbaren Zahlen verpflichtet“

Synode des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald debattiert über Pfarrstellen und das neue gemeindepädagogische Konzept

Zahlen, Hintergründe und einiges Papier: Die Synode des Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald beschäftigte sich unter anderem mit der künftigen Anzahl der Pfarrstellen. Hinten: Präses Dr. Michael Vollmer.

Für die Synode des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald war die Tagung im Bürgerhaus in Billings Premiere, das Grußwort für den noch recht neuen Fischbachtaler Bürgermeister Philipp Thoma ebenfalls. Die Fischbachtaler Gemeindevertretung tage öfters in Billings, sagte er, allerdings dauerten die Zusammenkünfte in der Regel nur eineinhalb Stunden. „Engagierte Protestanten sind diskussionsfreudig“, meinte er mit Blick auf die veranschlagten viereinhalb Stunden, wobei allerdings – anders als bei Gemeindeparlamenten – die Synodalen des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald nur drei Mal im Jahr zusammenkommen.

Die Tagesordnung war recht kurz und konzentrierte sich ganz auf die Punkte „Pfarrstellenanpassung“ und „Gemeindepädagogisches Konzept“. Im Herbst hat die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) das Änderungsgesetz zur Pfarrstellenbemessung beschlossen, das den demografischen Wandel im Pfarrdienst von 2020 bis 2024 strukturiere, erläuterte der stellvertretende Präses Volker Ehrmann.

Pfarrermangel führt ab 2020 zu Vakanzen

Demnach sinkt die Zahl der Pfarrstellen im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald von 39,5 auf 37,5 Stellen. Das darin enthaltene Stellenbudget für den gemeindlichen Pfarrdienst (also in den Kirchengemeinden vor Ort) wird von 35 Stellen auf 33,5 Stellen bis 2022 und auf 32,5 Stellen bis 2024 herabgesetzt. Das Stellenbudget für den regionalen Pfarrdienst – darin sind Dekanestellen, Altenheim- und Klinikseelsorger sowie die sogenannten Fach- und Profilstellen im Dekanat enthalten – steigt von 4,5 auf 5 Stellen.
Die Landeskirche versucht auf diesem Wege abzufangen, dass es künftig weniger Kirchenmitglieder und weniger Pfarrer gibt. Um die anstehenden Veränderungen besser umsetzen zu können, gibt es eine halbe Stelle für die Stellvertretung des Dekans, die bislang ehrenamtlich erfüllt wurde. „Trotz Reduktion muss ab 2020 mit Vakanzen gerechnet werden“, sagte Ehrmann, sodass es auch Regelungen für Pfarrerinnen und Pfarrer im Ruhestand und für Kooperationen zwischen Kirchengemeinden geben soll. Die Landeskirche schreibt als Bemessungsgrundlage die Mitgliederzahl und die Fläche vor.
Ob der Zuweisung der Pfarrstellen zusätzliche Kriterien zugrunde gelegt werden – ob es zum Beispiel eine Rolle spielt, dass eine Kirchengemeinde Träger einer Kindertagesstätte ist oder der Pfarrer/die Pfarrerin mehrere Gottesdienstorte zu „bedienen“ hat – darüber entscheidet die Dekanatssynode. Das ist neu, denn bisher hatte darüber der Dekanatssynodalvorstand (DSV), also das Leitungsgremium des Dekanats, entschieden. „Wir fühlen uns auch anderem als den rein messbaren Zahlen verpflichtet“, sagte Präses Dr. Michael Vollmer. Eines davon könnte sein, dass wer bei der letzten Pfarrstellenanpassung gekürzt worden sei, jetzt nicht wieder gekürzt werde.

Pfarrer sollen entlastet werden

„Der Spielraum ist das Entscheidende“, fasste Pfarrer Alfred Schwebel (Hering-Hassenroth) es in der anschließenden Diskussion zusammen. Solle immer weiter abgebaut werden oder gebe es auch Überlegungen, Pfarrstellen in die Nachbarschaft zu geben, wollte Pfarrer Ulrich Möbus (Altheim-Harpertshausen) wissen. Die Kirchenleitung habe angekündigt, dass sie die Situation beobachte, erwiderte Ehrmann. Im Frühjahr solle das  Kooperationsgesetz verabschiedet werden. „Wir tun, was wir können, wenn Gemeinden kooperieren wollen“, ergänzte Vollmer. Wenn es weniger Pfarrer gebe, spare die Kirche Geld, sagte Dekan Joachim Meyer. Dieses Geld solle in die Entlastung der Pfarrer investiert werden, damit diese ihre eigentliche Tätigkeit ausüben könnten. Zudem, so Meyer weiter, biete die Kirche „spezielle Studiengänge für sogenannte Spätberufene an“.

Zeitplan steht

Wie geht es weiter? Im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald soll eine Steuerungsgruppe den DSV bei der Erarbeitung des Vorschlags für Kriterien und Verteilung der zugewiesenen Pfarrstellen beraten. Die Steuerungsgruppe soll bis 28. März benannt sein und bestehen aus: je einem Gemeindeglied (Kirchenvorstandsmitglied oder Synodale/r) und einer Pfarrperson aus den fünf Nachbarschaften, Dekan, Präses, zwei weiteren DSV-Mitgliedern (je eine Pfarrperson und ein Gemeindeglied), ein Mitglied aus dem Bereich der Fach- und Profilstelleninhaber sowie ein Mitglied der Dekanatsjugendvertretung. Die Steuerungsgruppe erarbeitet eine Beschlussvorlage, über die in der Sommersynode berichtet und in der Herbstsynode beraten und beschlossen wird. „Machen wir so“, meinte Pfarrer Joachim Kühnle (Georgenhausen). „Ich würde gerne mit Kreativität überlegen, wie wir zu Nachwuchs kommen“, ergänzte Pfarrerin Elke Burkholz (Messel). Auch dazu sollen in der Sommersynode Ideen gesammelt werden.

Gemeindepädagogische Arbeit neu geregelt

Mit großer Zustimmung bei sechs Enthaltungen wurde der neue Regionalplan der gemeindepädagogischen Arbeit im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald verabschiedet. Die gemeindepädagogische Arbeit ähnelt der sozialpädagogischen und sozialen Arbeit, folgt aber einem besonderen theologischen und religionspädagogischen Ansatz. Sie orientiert sich an den Menschen und deren Bedürfnissen in den Gemeinden. Seit 2012 gibt es die gemeindepädagogische Arbeit im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald; sie umfasst schwerpunktmäßig die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie mit Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Die bisherige Konzeption wurde ausgewertet und die Ergebnisse wurden nun in den neuen Regionalplan eingearbeitet. Ziel sei es gewesen, einen Regionalplan vorzulegen, der den Vorgaben der Kirchenleitung entspreche, aber genügend Spielraum vor Ort lasse, erläuterte die stellvertretende Dekanin Evelyn Bachler, die für den gemeindepädagogischen Dienst zuständig ist.

Netzwerke vor Ort

Es habe sich gezeigt, dass netzwerkartig gearbeitet werde, so Bachler. Diese Netzwerkarbeit wurde dergestalt in den Regionalplan eingearbeitet, dass es in jedem der fünf Nachbarschaftsbereiche – in diesen arbeiten benachbarte Kirchengemeinden wie zum Beispiel die Babenhäuser und die Schaafheimer zusammen – eine Gemeindepädagogin mit halber Stelle und festen Angeboten für die Kinder- und Jugendarbeit gibt. „Wir werden älter“, sagte Evelyn Bachler, weshalb die gemeindepädagogischen Stellen und damit auch die Angebote für die Arbeit mit Menschen in der zweiten Lebenshälfte aufgestockt werden. Neu ist auch der „Ideen-Planungstag“, an dem alle Kirchengemeinden mit Jugendausschüssen teilnehmen und also auch mitreden können, und bei dem die gemeindepädagogische Arbeit für ein Jahr geplant wird.
Der Stellenplan für die gemeindepädagogische Arbeit im Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald sieht 7,5 Stellen vor – zwei Dekanatsjugendreferenten sowie 5,5 Stellen im gemeindepädagogischen Dienst. Pfarrerin Elke Burkholz (Messel) regte an, den aktuellen Stellenplan zu ändern und jedem Nachbarschaftsbereich statt einer halben Stelle eine ganze zuzuschreiben. Da aber an dem derzeitigen Stellenplan nicht zu rütteln ist, weil er bereits im Zuge der Haushaltsberatungen verabschiedet wurde, wurde die Anregung im Protokoll aufgenommen und soll in Zukunft beraten werden.
Die Andacht zu Beginn der Synode wurde von Pfarrerin Dr. Miriam von Nordheim-Diehl (Wersau) gehalten. Die musikalische Gestaltung hatte Dekanatskantor Matthias Ernst (Reichelsheim).

 

HINTERGRUND:
Die Synode ist das regionale Kirchenparlament des Evangelischen Dekanats Vorderer Odenwald. Es tagt dreimal im Jahr, besteht aus 75 Personen und vertritt 40 Kirchengemeinden mit rund 56.000 Mitgliedern zwischen Babenhausen und Reichelsheim. Die nächste Synode ist am Freitag, 15. Juni, in Groß-Umstadt.
Die neue Pfarrstellenbemessung der Landeskirche sieht vor, die Zahl der Pfarrstellen entlang der Mitgliederentwicklung zwischen 2020 und 2024 jährlich um etwa 1,4 Prozent von 1450 auf knapp 1350 Stellen zu reduzieren. Die Prognosen gehen von bis zu 100 Pensionierungen pro Jahr ab 2020 aus.

(S.Rummel)

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