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Kultur:

Die „Babenhäuser Schätze” locken 300 Gäste in den Schlosshof

Der Gang durch den Torbogen eines Schlosses ist immer etwas Besonderes. Bietet sich aber die Gelegenheit, den Hof eines knapp 900 Jahre alten Schlosses zu betreten, dessen Pforten üblicherweise verschlossen sind, ist das nicht nur für Freunde historischer Anwesen ein erhebender Moment. Umso mehr, wenn dahinter literarische und musikalische Schätze auf die Besucher warten.

Die Vorfreude auf die „Babenhäuser Schätze“ ist am Sonntagvormittag überall im Hof des Babenhäuser Wasserschlosses zu spüren. Das Anwesen war für viele Bürger der Stadt schon immer von großem Interesse. Seit einigen Jahren ist es in Besitz eines ukrainischen Unternehmers, der es sanieren und zu einem Fünf-Sterne-Hotel umbauen lässt. Vor allem den Babenhäuser Schlossfreunden ist es zu verdanken, dass der Kontakt zur Schlossverwaltung zustande kam und bis heute aufrecht erhalten blieb. Sie ermöglichten sogar die eine oder andere Begehung des Anwesens und versorgen die Bevölkerung in unregelmäßigen Abständen mit Informationen zu den Sanierungsfortschritten.
Nun trat erstmals der Freundeskreis der Babenhäuser CDU als Veranstalter auf. Er hatte zur Matinee im Schloss eingeladen, bei der Schätze der Stadt – also herausragende Künstler – für das kulturelle Programm sorgten. Etwa 300 Gäste kamen zur Matinee, für die Stephan Sawallich die Idee lieferte. „Wir wollten allen an Kultur, Kunst und Geschichte Interessierten etwas noch nicht da Gewesenes in außergewöhnlicher Kulisse bieten“, sagte er. Sein Dank ging an den Schlossherrn, der die Veranstaltung erlaubte. „In dem grandiosen Ambiente vergisst man leicht, dass man sich auf einer Baustelle befindet. Hunderte Menschen dorthin zu lassen, ist ausgesprochen gastfreundlich.“ Die Zugänge zum Park und den Gebäuden mussten abgesichert werden. Denn obgleich die Schloss-Sanierung im Außenbereich schon weit fortgeschritten ist, Dach und Außenwände bis auf den Ostflügel saniert und die Fenster erneuert sind, ist das Schloss im Innern noch ein Rohbau. Dem Kunstgenuss, moderiert von Schlossfreund und Mitglied des Blasorchesters, Klaus Mohrhardt, tat dies keinen Abbruch.  
Gut zwei Stunden gewährte der Schlossherr den Künstlern, zu denen die erst 16 Jahre alte Julia Lange aus Langstadt gehörte. Die dreifache Bundessiegerin des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ hatte für ihren Beitrag zur Matinee „Recuerdos de la Alhambra“ (Erinnerungen an die Alhambra) als Ehrerbietung an das Wasserschloss ausgewählt. Georg und Ute Wittenberger traten als Philipp V. – ein entschiedener Gegner der Hexenprozesse – und dessen zweite Frau Katharina von Wied auf. Sie berichteten davon, dass schon im 16. Jahrhundert die „standesgemäße Hofhaltung“ aufwendig und kostspielig gewesen sei. Die Familie von Münzenberg ließ Ende des 12. Jahrhunderts in Babenhausen ein Jagdschloss errichten, das bis heute etliche Umbauten und Erweiterungen bis hin zur prächtigen Schlossanlage erfahren hat. Das Babenhäuser Blasorchester und die Reiterlichen Jagdhornbläser Maingau, Opernsängerin Katja Boost und der Kinderchor unter Leitung von Ilka Bauersachs hatten ihre musikalischen Beiträge ebenfalls passend zur historischen Kulisse gewählt. Auch Uwe Friedrich inspirierte das Ambiente zu seinem Vortrag „Trostlied im Konjunktiv“ von Erich Kästner. Im Schatten der alten Schlossbuche rezitierte er: „Wär ich ein Baum, stünd ich droben im Wald, wäre mit meinen 300 Jahren noch gar nicht sehr alt.“ Das bekannte Gedicht von Heinrich Heine über die Loreley hatte er zum Vergnügen der Gäste in den Babenhäuser Dialekt übersetzt.
Natürlich bedeutete die außergewöhnliche Veranstaltung auch viel Vorbereitung. Heidrun Koch-Vollbracht vom Freundeskreis der CDU hob das soziale Engagement von Achim Knies hervor, der mit fünf Asylbewerbern aus Syrien bei den Vorarbeiten geholfen hatte. Zudem hatte es einige Sponsoren gegeben, die die Veranstaltung unterstützen, sodass kein Eintritt erhoben werden musste.      mel

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