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Stadtgeschichte:

Auf den Langstädter Spuren von Max Oestreich

Der Kaufmann Max Oestreich (Vertreter für Stoffe und Textilien) war ein angesehener Bürger der Langstädter Ortsgemeinschaft. Er spielte in der ersten Mannschaft des TSV Babenhausen Handball und war aktives Mitglied der Schauspielergruppe „Club der eiskalten Naturfreunde“. Warum er seinen Lebensabend, gemeinsam mit Frau und Kindern, nicht in Langstadt verbringen konnte, hatte nur einen Grund: Sein Glaube. Max Oestreich war Jude.

Nach der Pogromnacht wird er im Rahmen einer „kreisweiten Judenaktion“ (gemäß Blitz München 47757 vom 10. November 1938) verhaftet und in Buchenwald eingeliefert. In der amtlichen Meldung über die Inhaftierung, wird vom Kreisdirektor noch von „Gefangenenlager“ gesprochen, in den Entlassungsvermerken der Genda-merie im Kreis Dieburg, wenige Wochen später, vom „Konzentrationslager“. Am 06. April 1939 stellte Max Oestreich mit seiner Ehefrau Gertrud, geb. Fuld, einen Auswanderungsantrag für Uruguay. Die Familie wanderte 1941 in die USA aus.
Am ersten Septemberwochenende besuchten die Töchter von Max Oestreich Babenhausen und Langstadt. Gladys Sherman reiste aus New York an, Fay Bentzion aus Israel. Im alten Rathaus von Langstadt begrüßte Stadtrat Hans Wald die Gäste im Namen der Stadt Babenhausen. Georg Wittenberger, Stadtarchivar und erster Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein, stöberte in den  Archiven und startete mit den Kindern von Max Oestreich in eine kleine Zeitreise. Wittenberger konnte im Archiv sowohl die Hochzeitseintragung der Eheleute Oestreich, als auch die Geburtsurkunde von Max Oestreich ausfindig machen. Die Urkunden, sowie verschiedene Bilder der Handballmannschaft und des Geburtshauses machten die Runde und sorgten für einige emotionale Momente.
Ein kleiner Stadtrundgang mit Ortsvorsteher Günther Eckert, führte die Gäste vom Rathaus in den Schulhof der ehemaligen Langstädter Schule, die Max Oestreich damals besuchte. Die Töchter berichteten, dass Max Oestreich gute Erinnerungen an seine Kinder- und Jugendzeit in Langstadt hatte. Der Rundgang führte nur ein paar Schritte weiter, hier befand sich das ehemalige Wohnhaus der Familie Oestreich. Fünf Stolpersteine wurden hier für die Familie verlegt. Sara Oestreich (Mutter von Max) wurde 1941 deportiert, ihr Schicksal ist bis heute ungeklärt. Bernhard Fuld wurde am 14. September 1942 in Theresienstadt ermordet, Bertha Aumann geb. Oestreich wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und am 4. Oktober 1944 in Auschwitz ermordet. Nur Gertrud und Max Oestreich überlebten die Schreckensherrschaft des Nazi-Regimes. Abschluss des Rundganges war der Weg zur ehemaligen Langstädter Synagoge. Dort wurde im September 1938 der letzte Gottesdienst gehalten. Eine Gedenktafel erinnert hier an die ehemalige Synagoge und an die jüdische Gemeinde von Langstadt.                                   hz

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