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Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen:

Erste Zeitzeugenberichte „Erinnerungen einer Stadt“

Es mussten im Saal der Stadtmühle noch Stühle aufgestellt werden damit die zahlreichen Besucher alle einen Sitzplatz erhielten. Der „Werkstattbericht“ sorgte für starkes Interesse und zeigt, dass die nahe Vergangenheit ein wichtiger Bestandteil der Babenhäuser Stadtgeschichte ist. Einige Personen im Saal gehörten zu den Protagonisten des Abends, sie wurden bereits interviewt und die persönlichen Erinnerungen konnten festgehalten werden.

Der Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen und das Büro für Erinnerungskultur (Dr. Holger Köhn und Christian Hahn) stellten die Audio-Dokumentation der Zeitzeugenberichte am vergangenen Freitag (23.) vor. „Erinnerungen einer Stadt“ ist ein Projekt in welchem die Erinnerungen der betagten Mitbürger festgehalten werden. Bislang wurden sechzehn Zeitzeugen interviewt, die in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geboren wurden. Dieses einzigartige Konzept wird durch die Jubiläumsstiftung der Sparkasse Dieburg und der Flughafenstiftung ermöglicht.
Die Vorgehensweise bei den Interviews schilderte Dr. Holger Köhn „Wir haben uns in die Wohnzimmer der Zeitzeugen gesetzt“. Nach einigen Minuten war das Eis gebrochen und es wurden spannende und äußerst interessante Erinnerungen mit den Profis für Erinnerungskultur geteilt. Die Interviews werden live aufgenommen und auch eine schriftliche Transkription soll nachfolgenden Generationen die Möglichkeit geben in die Erinnerungen einzutauchen. Insbesondere die Kindheit und Jugend aber auch die berufliche Tätigkeit wurde bei den Interviews erfragt, aber auch von allgemeinen Themen oder besonderen Ereignissen berichteten die Zeitzeugen.
Besonders eindrucksvoll ist die Geschichte von Kätha Reining. Die Babenhäuserin war die einzige Überlebende bei dem Bombenangriff auf den „Altdörfer Hof“ im Oktober 1944. „Am nächsten Abend haben sie mich rausgeholt“ kann man der Aufnahme entnehmen die beim „Werkstattbericht“ vorgestellt wurde. Aber damit nicht genug, denn auch bei den Bombenangriffen auf Babenhausen an Weihnachten 1944 war Kätha Reining in einem Bunker vor welchem eine Bombe explodierte. Hier hatten die Insassen mehr Glück und alle überlebten. Für heutige Verhältnisse unvorstellbar war die Aussage, dass Kätha Reining damals „nicht darüber schwätzen“ durfte. Sie musste das erlebte „An Heiligabend hat die Stadt gebrannt, das war meine Kindheit“ alleine verarbeiten.
So wichtig das festhalten der Erinnerung ist, es ist auch eine Arbeit gegen die Zeit. Von den interviewten Zeitzeugen sind mittlerweile zwei verstorben und dies unterstreicht die traurige Dringlichkeit des Projektes. Harald Höflein vom Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt unterstreicht diese Aussage und motiviert die Anwesenden selbst aktiv zu werden. Sprechen sie mit den Eltern und Großeltern, damit keine Erinnerungen verloren gehen.
Die musikalische Gestaltung des Abends erfolgte durch die Gruppe „Schwarzworz“. Hansel Billing und Rolf Plaueln sorgten mit ihren Mundartliedern (tolle Texte, toller Sound) für den richtigen Ausgleich zu den emotionalen Zeitzeugen-Erinnerungen.
„Topothek“ ging an den Start
Auch die sogenannte „Topothek“ soll helfen Erinnerungen festzuhalten. Mit der „Topothek“ besteht die Möglichkeit Bild- material auf einer eigenen Internetseite anderen Interessierten vorzustellen. Das Angebot wird durch Fördermittel unterstützt und auf die Stadt Babenhausen kommen daher keinerlei Kosten zu. Auch hier wurde der Aufruf gestartet Bilder oder Urkunden zur Verfügung zu stellen um ein lebendiges Bildarchiv aufzubauen. Zeitgleich soll das umfangreiche Bildarchiv des Heimat- und Geschichtsverein in dieser Plattform eingepflegt werden. Das Büro für Erinnerungskultur hat die Vorarbeiten des Projektes vorgenommen und die ersten Bilder sind bereits eingestellt. Zukünftiger Ansprechpartner für das Füllen der „Topothek“ ist der Stadtarchivar Georg Wittenberger, der im Babenhäuser Stadtarchiv immer Samstags von 10 bis 13 Uhr erreichbar ist.        hz

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