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Blick hinter die Kulissen der Schloss-Apotheke Babenhausen:

Rohstoffprüfung, Rezepturen und Ruhestatt

Die Betriebstemperatur im Lagermagazin und in der Materialschleuse für Nachtlieferungen werden in allen Stationen gemessen und dokumentiert. Dr. Harald Perschbacher erklärt die Diagramme, die eine lückenlose Überprüfung ermöglichen.

Im Verkaufsraum der Schloss-Apotheke sieht es ziemlich voll aus, doch es dauert gar nicht so lange und viele der Kunden verschwinden in Kleingrüppchen durch die Türen hinter der Bedientheke. Inhaber Dr. Harald Perschbacher zeigt sich erfreut über das große Interesse seiner Kunden an diesem Donnerstag.

Er und sein Team gewährten einen Blick in die Back-Office-Räume, zu denen Kunden sonst keinen Zutritt haben. „Wir wollen zeigen, was hinter den Kulissen steckt und welche Arbeiten im Verborgenen geschehen. Damit wollen wir auch den Unterschied einer Apotheke vor Ort zu einer Online-Apotheke deutlich machen.“ Eine der ersten Fragen ist nach den unterschiedlichen Berufsbildern in der Pharmazie: im sogenannten Handverkaufsbereich arbeiteten nur Pharmazeutisch-Technische Assistenten (PTA) und studierte Pharmazeuten (Apotheker). PTAs absolvieren eine 2-jährige Schulausbildung und verbringen anschließend ein halbes Jahr Praktikum in der Apotheke. Apotheker studieren vier Jahre lang Pharmazie und danach machen sie ein Praktikum je nach Interesse in einer Apotheke oder in der Industrie.
Im Back-Office findet man auch Pharmazeutisch-Kaufmännische Assistenten (PKA), die jedoch keine Medikamente verkaufen dürften. Von den 18 Mitarbeitern der Schloss-Apotheke arbeiten viele in Teilzeit, was eine hohe Flexibilität biete, aber auch einen größeren Aufwand bei der Informationsweiterleitung zwischen den Mitarbeitern abverlange, erklärt Perschbacher.
Ein erster interessanter Anlaufpunkt war der Lagerautomat, der in der Schloss-Apotheke seit 2002 mitarbeitet und von seinen Kollegen liebevoll „Einstein“ genannt wird. Sein System beim Einsortieren neuer Medikamente ist für Normalos auch eher „einsteinisch“ chaotisch, aber dennoch sehr effizient: er sortiert nach Platz im Regal und nicht etwa nach Alphabet. Dabei merkt er sich mittels Pharmazentralnummer, wo er was abgelegt hat und holt die richtige Packung in Sekundenschnelle wieder hervor und schickt sie auf einer Rutsche in den Verkaufsraum. In den vergangenen Monaten wurde ein weiterer Schritt zur Digitalisierung von Apotheken gemacht und der gesamte Verkaufsbereich neu verkabelt, um das „elektronische Rezept“ in Zukunft von jedem Verkaufsplatz aus zu bearbeiten.  
Unter „store.schloss-apotheke. de“ ist die Apotheke für ihre Kunden 24 Stunden an 7 Tagen die Woche erreichbar. Man kann live sehen, ob das gewünschte Rezept vorrätig sei. Die Bestellungen können dann abgeholt oder per Bote geliefert werden. Für Smartphones sei sogar eine Apple- oder Android App verfügbar: „Schlossapo“. Über all das konnte man sich schon vor der Apotheke informieren, wo Katrin Glänzel die Kunden aufklärte und sogar sofort auf dem Tablet demonstrierte, wie es funktionierte. Während manche Senioren eher den persönlichen Kontakt im Ladengeschäft bevorzugten, zeigten sich medienaffine Kunden erfreut über die Neuerungen.
Computer messen im gesamten Lagerbereich die Temperaturen, damit an den verschiedenen Stationen stets die passenden Temperaturen gewährleistet sind. Die lückenlose Dokumentation hilft bei eventuellen Ausfällen auch bei der Entscheidung, ob die Mittel vernichtet werden müssen, oder ob der Stromausfall keinen nennenswerten Einfluss auf die geforderten Temperaturen hatte.
Die interessierten Besucher durften sogar einen Blick in die ganz privaten Aufenthalts- und Sozialräume des Personals werfen. Für Belustigung sorgte das ausgeklappte Bett, das sich hinter dem Tisch versteckte: hier verbringt der Nachtdienst seine Schicht. Leider komme man selten zu erholsamem Schlaf, denn pro Nacht „störten“ 3-10 Kunden, scherzte der Apotheken-Chef.
Im Labor zeigte PTA Susanne Bäuerlein, welche Methoden zur Rohstoffprüfung zur Verfügung stehen. In den ganz neuen Apparat, der der „NIR-Spektroskopie“ dient, werden die Wirkstoffe in einem Gefäß durchleuchtet und das Ergebnis mittels Referenz ausgedruckt und für mindestens zwei Jahre aufbewahrt. Jeder bestellte Rohstoff, der zur späteren Herstellung einer Rezeptur diente, würde so geprüft und archiviert, was ein enormer Aufwand sei. „Manche Stoffe werden unter großen Sicherheitsvorkehrungen verarbeitet“, erklärt Bäuerlein mit Blick auf den Gefahrstoffschrank, der mit einer sehr
leistungsfähigen Dunstabzugshaube versehen ist.
„Rezepturen werden individuell hergestellt, wenn die passende Dosierung nicht als bereits fertiges Medikament auf dem Markt ist. Oder wenn es nur besonders kurz haltbar ist“, leitet Anne Möller ihre Demonstrationen ein. Sie ist an diesem Tag für die Rezeptur zuständig, was zum Glück nicht so umfangreich ist wie am Tag zuvor, als 16 Mixturen hergestellt werden mussten. Hier geht es auch nicht nur ums Herstellen, sondern auch um Plausibilitätsprüfung der geforderten Wirkstoffe. Alles wird genauestens nach Checkbuch vorgenommen und dokumentiert. Ganz besondere Genauigkeit sei vor allem bei der Herstellung von Baby-Kapseln gefragt. Doch auch für erwachsene Patienten wird hoher Wert auf Homogenität der Stoffe gelegt, damit jede Salbe, Kapsel oder Tinktur die gleiche Dosis enthält, die gewünscht wird. Möller zeigt anhand von Zertifikaten, dass das Schloss-Apotheken-Team regelmäßig an den freiwilligen Kontrollen des Zentrallaboratorium Deutscher Apotheken teilnehme. Das sei ein bundesweiter Ringversuch zur externen Qualitätssicherung von in der Apotheke hergestellten Rezepturen. Das gibt sowohl den Angestellten Sicherheit und den Patienten das Gefühl, sich in guten Händen zu befinden.
Die Schloss-Apotheke zeigte mit ihrem Blick hinter die Kulissen, wie eine modern geführte Apotheke funktioniert und dass sie leistungsfähig in die Zukunft geht. Perschbacher ist froh, dass er berufsbegleitend eine Zusatzausbildung zum MBA-Healthcare-Management gemacht hat: so ist er ökonomisch und pharmazeutisch gut gewappnet. Auch die Mitarbeiter nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil, um weiterhin stets auf dem neuesten Stand zu sein.     kb

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