Homepage | Leserbrief zur Stellungnahme der SPD Babenhausen „Entwicklung Gärtnereigelände – einmalige Chance vertan“ (BZ 29.03.2018)

Leserbrief zur Stellungnahme der SPD Babenhausen „Entwicklung Gärtnereigelände – einmalige Chance vertan“ (BZ 29.03.2018)

Sehr geehrte SPD, sehr geehrter Herr Fraktionsvorsitzender Kurschildgen,
Sie lösen bei mir richtig Unmut und auch große Enttäuschung mit Ihren Erläuterungen aus und deshalb muss ich mich einfach einmal zu Wort melden und frage Sie:
1) Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass sich Babenhausen nun zur Schlafstadt entwickelt? – Haben Sie dazu eine Umfrage gestartet oder sind Sie erfahrener Städteplaner, dass Sie dazu so bestimmt Auskunft geben können? Was unterstellen Sie eigentlich den Menschen, die sich dort eventuell ansiedeln wollen? – das geht ja schon gut los, bevor es richtig anfängt…
2)  Soweit mir bekannt ist, würden sich bei Ihrer gewünschten Bebauung sowohl Gewerbe als auch Familien/Personen ansiedeln – das alleine wäre der Garant, dass in Babenhausen dann ab sofort der Bär tobt, alle Schlafenden aufgeweckt und voller Tatendrang wären? So könnte man ihre Zeilen verstehen…. …diese Familien/Personen, die dann trotzdem dort wohnen würden (da es ja kein  reines Gewerbegebiet wäre), würden dann alle nicht nach Offenbach/Frankfurt fahren oder wenn doch, würden sie auf jeden Fall in Babenhausen einkaufen gehen oder wie wäre das dann?
3) Woher kennen Sie so genau die Gewohnheiten einer Musterfamilie – sind Sie gar ein Soziologe oder arbeiten Sie in einem Umfrageinstitut, das sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt, weil Sie das so selbstverständlich wiedergeben?
4)   Woher haben Sie zusätzlich die Informationen, dass genau diese Musterfamilien alle auf dem Gärtnereigelände einziehen werden – sind Sie eventuell bei der Firma Kalkan angestellt oder
besitzen Sie eine Immobilienfirma, weil Sie dies wissen?
5)   Wo kaufen denn Ihrer Meinung nach die „Musterfamilien“ ein, die morgens mit dem Auto in Richtung Darmstadt fahren müssen?   …oder die, die erst um 8 Uhr das Haus verlassen oder die, die „nur“ halbtags arbeiten, oder die, die mit dem Zug fahren, oder die anderen ca. 10.000 Einwohner Babenhausens – auch in Dudenhofen? Dann müsste ja nach Ihrer Schilderung der Netto-, Norma-, Edeka-, Rewe-, Aldi-, Lidl-,  
Penny-Markt nur so zur Attrappe in Babenhausen angesiedelt sein…
So wie Sie das darstellen, scheinen Ihre Musterfamilien ausschließlich die kaufwütigen Menschen zu sein, denen  man jetzt Ihrer Meinung nach die Kaufmöglichkeit wegnimmt bzw. die nicht von einem Frequenzbringer angelockt werden.
6)  Oder leben in Babenhausen (Kernstadt) vielleicht gar keine anderen Menschen, weil Sie die  Entwicklung zur Schlafstadt ausschließlich von den Musterfamilien abhängig machen?
7)  Wir haben eine Fußgängerzone, die es verdient hätte, wieder mehr belebt zu werden/sein – was haben Sie denn bisher konkret für die Belebung der Innenstadt getan, wenn Sie doch so an Frequenzbringern und Belebung interessiert sind? Etwas Vorhandenes (noch mehr) zu beleben -man müsste ja noch nicht einmal bei null anfangen- ist doch gefühlt einfacher, als etwas Neues, wo noch keiner abschätzen kann, wie es angenommen wird, wenn sogar nicht mal Bestehendes angenommen wird.
8)  Sind die Ladenlokale, die wir zum Glück doch auch haben, denn nicht zeitgemäß, weil Sie das in Ihrem Artikel so angeben? Schade für die Ladenbesitzer, denen Sie damit direkt eine Backpfeife verteilt haben…
9)  Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass der Rückgang des Einzelhandels und das veränderte Kaufverhalten kein typisch Babenhäuser Problem ist, sondern überall zu finden ist? Das wird man sicherlich nicht damit verändern können, „nur“ weil man Gewerbeflächen zur Verfügung stellt.
10)  Verbessern Sie mich bitte, falls ich da etwas falsch verstanden habe – aber soweit ich weiß, können sich Ärzte/Fachärzte nur dann ansiedeln, wenn sie die Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung haben, d.h., die Anzahl von Ärzten wird nicht von einer Stadt geregelt. Jeder Arzt kann sich wohl ansiedeln, wo er will, dann aber nur für Privatpatienten/privat zahlende Menschen. Hat Babenhausen die ganzen Jahre über „geschlafen“ und nicht bemerkt, dass sie jede Menge Ärzte hier hätte haben dürfen oder ist die Stadt neuerdings so groß, dass sich nun deutlich mehr Ärzte ansiedeln könnten oder hat Babenhausen einen Überschuss an Privatpatienten, denen dann wenigstens damit geholfen wäre?  Für eine weitere ärztliche Versorgung, wie Sie es sich wünschen, müsste die Kassenärzt- liche Vereinigung erstmal ihr Okay geben und wollte man die Ärzte zusammen in einem Ärztehaus haben, was ja auch immer gerne genannt wird, wäre einzig und allein der Unterschied zu vorher, dass sich lediglich die Adresse der bereits schon angesiedelten Ärzte verändern würde und evtl. mein Weg dorthin; vorausgesetzt, jeder Arzt würde auch umziehen wollen. Ihre Erläuterungen sind mir einfach zu schwarz-weiß – entgegen Ihrer Parteifarbe…
Jeder sollte sich an die eigene Nase fassen, was er für seine Stadt tut, wo er sich einbringt…
Sich hinstellen, mit den Schultern zucken und prophezeien, wie schlecht alles ist/wird, ist meiner Meinung kein guter Ansatz…
Die Entwicklung von Babenhausen hängt ganz gewiss nicht von diesem Gelände ab, das wäre ja super traurig …
und die Chance ist bestimmt nicht damit vertan und schon gar nicht einmalig – es gab sicherlich schon Chancen und es wird immer wieder welche geben; entscheidend zum Gelingen ist die Einstellung, das Vorangehen mit Ideen, Engagement, Unterstützung, Zugehen auf die Menschen, die Bürger fragen, was sie wollen und brauchen und ganz bestimmt auch Visionen – das jedenfalls fände ich viel besser…             
B. Bodelle-Thierolf
Babenhausen

 

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