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„Präsenz ist mir wichtig“

Pfarrer Christoph Baumann verlässt die Evangelische Kirchengemeinde Schaafheim und geht nach Butzbach

Adieu Schaafheim: Pfarrer Christoph Baumann wechselt nach Butzbach.

Der Anfang in Schaafheim war nicht ohne: Als Christoph Baumann mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen 2012 im Pfarrhaus einzog, hatte er elf Jahre lang nichts mit dem Pfarramt zu tun gehabt. Plötzlich stand er zusammen mit seinem Kollegen Stefan Thomanek einer Kirchengemeinde vor, hatte Religionsunterricht an der Schule – und kam doch aus einer ganz anderen Welt. Aus Südafrika, wo es vielen Welten nebeneinander gibt und die Apartheid noch nachwirkt.

Engagiert in der Friedensarbeit

Dort absolvierte er schon 1989/90 ein Freiwilliges Soziales Jahr. Während des Studiums war er wieder in Südafrika, lernte 1995 seine Frau, eine Südafrikanerin, kennen. Sein Vikariat machte Christoph Baumann in Allendorf an der Lumda, bevor er 2001 zum Spezialpraktikum erneut nach Südafrika, nach Kapstadt ging. Das dauert normalerweise ein halbes Jahr. Für Christoph Baumann und seine Familie wurden es elf Jahre. Die beiden Söhne sprechen Afrikaans und Deutsch. Seine Frau konnte in Südafrika ihr Studium abschließen, er selbst arbeitete bei verschiedenen NGOs (Nichtregierungsorganisationen) wie dem Quaker Peace Center und dem Evangelischen Entwicklungsdienst in Durban – mit den Schwerpunkten Friedensarbeit, interkulturelle Arbeit, internationale Workcamps, Konfliktmanagement.
Seine bisher „intensivste berufliche Zeit“, wie er sagt, erlebte der heute 47-Jährige in Kapstadt, wo er von 2009 bis 2012 beim „Centre for Christian Spirituality“ mit Männern zum Thema Gewaltprävention arbeitete. Das Zentrum hatte der ehemalige anglikanische Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu – Baumanns großes Vorbild – mitbegründet; es verbindet geistliche Verwurzelung und gesellschaftspolitisches Engagement. Räume für Begegnungen zu schaffen, liege ihm, sagt Baumann. Prozesse, die mit Wachstum und Entwicklung zu tun haben, faszinieren ihn.

Schon der Vater war Pfarrer
Doch die Zukunftsperspektive war wackelig, und so kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Christoph Baumann wurde in Schaafheim als Pfarrer ordiniert. Er entstammt einer Pfarrerfamilie, sein Vater war 32 Jahre lang Pfarrer in Reichelsheim und 22 Jahre Dekan des Dekanats Reinheim. Christoph Baumanns älterer Bruder ist Pfarrer in Frankfurt.
Die kirchliche Dienstordnung sieht nach der Ordination eine dreijährige Zeit als Pfarrer zur Anstellung vor und danach eine einjährige Orientierungszeit. Die Familie wollte noch mal woanders hin und die Gelegenheit war günstig – der jüngere Sohn kommt jetzt in die fünfte Klasse, der ältere in die Oberstufe. Am 17. Juli ist Baumanns letzter Arbeitstag in Schaafheim, dann kommt der Umzug, und am 15. August fängt er in Butzbach an. Dort werden sie zu dritt sein – es sei gut, sich abwechseln und absprechen zu können, sagt der Theologe.

Experimentierfreudige Pfarrer
Bei allem Zauber des Anfangs, der Abschied von Schaafheim fällt schwer. „Es gibt viele liebe Leute hier“, sagt Christoph Baumann. Manche hätten erstaunt oder gar entsetzt auf seinen Weggang reagiert. Auch wenn er und sein Kollege Stefan Thomanek sich theologisch unterscheiden – die Zusammenarbeit war immer gut und auf Augenhöhe. Sie seien beide experimentierfreudig, hätten das Programm „Kultur in der Alten Kapelle“, die „Kirche anders“-Gottesdienste und Krabbelgottesdienste mit der Gemeindepädagogin etabliert sowie Generationen verbindende Gottesdienste ausprobiert. Als im vergangenen Jahr erstmals ein Projektchor des Dekanats Vorderer Odenwald in die Partnergemeinden der Moravian Church nach Südafrika reiste, organisierte Christoph Baumann die Reise mit. Partnerschafts- und Flüchtlingsarbeit, Ökumene, der interreligiöse Dialog, ökofaire Beschaffung, Musik und diakonische Arbeit sind seine Schwerpunkte.
Neuerungen gab es auch in der Konfi-Arbeit und bei Taufen. Die Eltern werden in die Konfirmandenzeit eingebunden – indem sie zu Hause die Bibel lesen oder Essen machen. Christoph Baumann hat sie und auch die Taufeltern besucht. „Das war eine tolle Erfahrung.“ Er legt viel Wert auf persönliche Kontakte, auf Begegnungen. „Das würde ich gerne weiter machen“, sagt er, „Präsenz ist mir wichtig geworden.“

Christoph Baumann wird mit einem Gottesdienst am Sonntag, 10. Juli, 14 Uhr, in der Schaafheimer Kirche verabschiedet.

(Text/Foto: S. Rummel)

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